Das Mittelalter geht ungefähr vom 5. bis zum 16. Jahrhundert – 1100 Jahre, genug Zeit um Mythen auszubauen und zu verstärken. Während der Zeit nach dem Mittelalter (Die Zeit der Aufklärung) wurde das vergangene Jahrtausend kritisiert und verurteilt – genauso wie wir heutzutage z.B. die Kaiserzeit kritisieren. Viele der Schreiber der damals gegründeten protestantischen Bewegung attackierten das Mittelalter wegen seines Katholizismus. Unglücklicherweise werden viele der Mythen und Falschauslegungen dieser Zeit heute immer noch geglaubt. Diese Liste soll dabei einiges klarstellen.

10. Die Todesstrafe

Tod durch erhängen

Mythos: Die Todesstrafe war an der Tagesordnung im Mittelalter.

Entgegen dessen was viele Menschen glauben, wurde im Mittelalter das Rechtssystem geboren und Verhandlungen waren in der Tat ziemlich gerecht. Die Todesstrafe wurde als sehr hart angesehen und wurde nur in den härtesten Fällen von Verbrechen wie Mord, Verrat und Brandstiftung angewandt. So war es im Mittelalter, bis Menschen wie Elizabeth I anfingen, die Todesstrafe als Mittel gegen ihre politischen Feinde einzusetzen. Öffentliche Enthauptungen waren auch nicht so, wie wir sie in Filmen zu Gesicht bekommen. Sie waren den Reichen vorbehalten und wurden normalerweise auch nicht in der Öffentlichkeit vollführt. Die häufigste Methode der Exekution war das erhängen – Verbrennen war extrem rar (und normalerweise wurden die Menschen erst verbrannt, nachdem sie erhängt wurden).

9. Weg geschlossene Bibeln

Nur weil sie weggeschlossen waren, sollten sie nicht vorenthalten werden.

Nur weil sie weggeschlossen waren, sollten sie nicht vorenthalten werden.

Mythos: Bibeln wurden weggeschlossen um das „Wahre Wort“  geheim zu halten.

Während dem Mittelalter (bis Gutenberg auftauchte) mussten alle Bücher per Hand geschrieben werden. Dies war eine mühsame Arbeit, welche mehrere Monate dauerte – speziell bei so einem Buch wie der Bibel. Die Aufgabe, Bücher per Hand zu schreiben wurde Mönchen in Klöstern überlassen. Diese Bücher waren unglaublich wertvoll und sie wurden in jeder Kirche gebraucht, da die Messe dort täglich abgehalten wurde. Und um diese wertvollen Bücher zu schützen, wurden sie weggeschlossen. Es gab keine Verschwörung die Bücher von den Menschen fern zu halten – Die Schlösser garantierten, dass die Menschen die Bibel jeden Tag hören konnten (Viele Menschen konnten nicht einmal lesen). Und nur um zu zeigen, dass es nicht nur die katholische Kirche war, die ihre Bücher zur Sicherheit wegschloss: Die berühmteste „angekettete Bibel“ ist die „Große Bibel“ welche Henry VIII geschrieben hatte und in jeder protestantischen Kirche gelesen werden musste.

8. Die Verhungernden Armen

Reiche und Bauern aßen größtenteils dasselbe, nur die Bauern eben weniger

Reiche und Bauern aßen größtenteils dasselbe, nur die Bauern eben weniger

Mythos: Die Armen waren permanent dem Verhungern nahe.

Das ist komplett falsch.  Bauern (Die in Handarbeit arbeiteten) hatten täglich frischen Hafer und Brot – und Bier zum trinken.  Zusätzlich gab es jeden Tag eine Auswahl an getrocknetem oder gepökeltem Fleisch, Käse, Früchten und Gemüse aus der Region. Geflügel, Hühnchen, Enten, Tauben und Gänse waren auf dem Tisch des gemeinen Bauern nicht unüblich. Einige Bauern hielten auch Bienen, um Honig für ihr Essen bereit zu halten. Vergleicht man das Essen von McDonalds mit dem von Mittelalterlichen Bauern, war der „Bauernfraß“ gehaltreicher und geschmackvoller. Die Reichen der Zeit hatten eine große Auswahl an Fleisch – etwa Rind oder Schaf. Sie aßen natürlich mehr davon als die Armen und hatten wahrscheinlich auch einige Teller mit Gewürzen – etwas was sich die Armen nicht leisten konnten.

7. Strohgedeckte  Dächer

Gedeckte Strohdächer gibt es auch noch heutzutage

Gedeckte Strohdächer gibt es auch noch heutzutage

Mythos: Bauern hatten strohgedeckte Dächer, in denen Tiere lebten.

Erstens, die strohgedeckten Dächer der Mittelalterlichen Wohnungen waren in einer dichten Matte miteinander verwoben – es waren nicht nur Strohbündel, die einfach aufs Haus geworfen wurden. Tiere hätten es nicht leicht gehabt in das Dach zu gelangen – Und beachtet man wie betroffen ein normaler Mann im Mittelalter war, wenn ein Tier hinein gelangt ist, sie wären prompt wieder hinausgeworfen worden – Genauso wie wir es machen, wenn wir Tiere wie Tauben, Mäuse oder ähnliches in unseren Wohnungen finden. Und nur um es einmal festzuhalten: Strohgedeckte Häuser waren nicht nur für die Armen – Viele Schlösser und größere Behausungen hatten auch welche – weil sie so gut funktionierten. Es gibt auch heutzutage noch einige Häuser, die noch strohgedeckte Dächer haben.

6. Stinkende Menschen

Das Baden galt als Gesellig und war hoch angesehen

Das Baden galt als sehr gesellig und war hoch angesehen

Mythos: Menschen badeten nicht im Mittelalter, also stanken sie

Nicht nur ist das ein totaler Mythos, er ist so weit verbreitet, dass er sich auf andere Mythen auswirkt, so soll z.B. der Weihrauch der Kirche dafür gewesen sein um den Gestank so vieler Menschen an einem Ort zu überdecken. Tatsächlich war bzw. ist der Weihrauch ein kirchliches Ritual, das aus der jüdischen Religion kommt, welche ebenfalls Weihrauch in ihren Opfergaben benutzten. Dieser Mythos führt auch zu der sonderbaren Idee, dass die Menschen normalerweise zwischen Mai und Juni heirateten da sie zu der Zeit nicht besonders stanken – wegen des jährlichen Bades um die Zeit. Das ist natürlich Schwachsinn. Die Menschen heirateten zu dieser Zeit, da das Heiraten in der Fastenzeit nicht erlaubt war. So, zurück zu den stinkenden Menschen. Im Mittelalter gab es Badehäuser in den meisten Städten. Tatsächlich war Sauberkeit und Hygiene dort hoch angesehen – so hoch, dass Baden in verschiedene Zeremonien, der Einstand in das Rittertum, mit eingebracht wurde. Einige Personen badeten täglich, andere weniger oft – aber fast alle badeten. Weiterhin benutzen sie heißes Wasser – sie mussten es nur selber aufheizen, nicht wie wir mit unseren modernen Durchlauferhitzern,. Die Franzosen brachten es prägnant auf folgenden Lateinischen Satz:

Venari, ludere, lavari, bibere; Hoc est vivere! (Zu jagen, zu spielen, zu waschen, zu trinken – Das ist das Leben)

5. Das Bauern Leben

Das Leben der Bauern

Auch im Leben eines Bauern gab es Feste und Turniere

Mythos: Bauern lebten ein Leben aus Schinderei und Knochenarbeit

Tatsächlich arbeiteten die Bauern des Mittelalters hart (Die Felder bestellen war das einzige was sicherstellte das man etwas zu essen hatte). Aber sie hatten auch regelmäßig Feste (Religiöse und nicht kirchliche) welche auch tanzen trinken spiele und  Turniere beinhalteten. Viele der Spiele werden auch heute noch gespielt: Schach, Dame, Würfelspiele, Blinde Kuh und viele mehr. Vielleicht war es nicht so lustig wie die neusten Spielkonsolen, aber es war eine gute Möglichkeit das warme Wetter zu genießen.

4.  Gewalt überall

Tavernenschlägerei

Die meisten Menschen im Mittelalter erfuhren keine Form von Gewalt

Mythos: Das Mittelalter war eine Zeit der großen Gewalt

Natürlich gab es Gewalt im Mittelalter (die es aber auch schon immer gab), allerdings keinen Vergleich zu der Gewalt der Neuzeit mit Stalin Hitler oder Mao. Die meisten Menschen lebten ihr Leben ohne auch nur einmal Gewalt zu erfahren. Die Inquisition war nicht das blutrünstige Monster das viele Filme und Bücher es sein ließen. Moderne Zeiten haben viel Gewalt gesehen: Völkermord, Massenmord und Serienmörder – Etwas das es vor der Zeit der „Aufklärung“ nicht gab. Es gibt lediglich 2 niedergeschriebene Serienmörder im Mittelalter: Elizabeth Bathory und Gilles de Rais. Faktisch gesehen resultierte die Inquisition in relativ wenige Tode. Es gab höchstens 826 Hinrichtungen in 160 Jahren – von 45.000 Gerichtsverfahren.

3. Unterdrückte Frauen

Johanna von Orleans in Rüstung

Johanna von Orleans, nur eine von vielen Frauen denen viel Vertrauen und Macht gegeben wurde

Mythos: Frauen wurden im Mittelalter unterdrückt

In den 1960er und 1970er Jahren blühte die Idee, dass Frauen im Mittelalter unterdrückt wurden, geradezu auf. Tatsächlich müssen wir nur auf einige signifikante Personen des Mittelalters schauen um zu sehen, dass daran absolut nichts Wahres dran ist. Johanna von Orleans war eine Junge Frau, der die Kontrolle über die gesamte Französische Armee übergeben wurde! Ihr Sturz war politischer Natur und währe passiert egal ob sie männlich oder weiblich gewesen wäre. Hildegard von Bingen war eine unglaubliche Wissenschaftlerin im Mittelalter, welche einen so hohen Rang hatte, dass Könige, Päpste und Lords alle nach ihrem Rat fragten. Ihre Musik und ihre Gedichte existieren bis heute. Elizabeth I regierte als mächtige Königin und viele andere Nationen hatten Frauen als Führer. Zugegeben, Frauen arbeiteten nicht in Kathedralen, aber auch sie leisteten ihre Arbeit auf dem Feld und in den Städten. Weiterhin besagten die Regeln der Ritterlichkeit, dass Frauen mit dem höchsten Maß gewürdigt werden müssten. Der größte Unterschied zwischen dem Konzept des Feminismus im Mittelalter und heutzutage ist, dass im Mittelalter geglaubt wurde, dass Frauen „gleich in Würde, aber anders in ihrer Funktion sind“ – Heutzutage wurde das Konzept auf „gleich in würde UND Funktion“ geändert.

2. Flache Erde

Das Weltbild des Kopernikus

Nach Kopernikus glaubte fast niemand mehr an die Erde als Flache Scheibe

Mythos: Menschen im Mittelalter glaubten die Erde sei eine Scheibe

Weiterhin glaubten die Leute nicht das die Erde das Zentrum des Universums sei – Der berühmte Mönch Kopernikus gab der Idee einen Todesstoß (ohne bestraft zu werden) weit bevor Galileo der Ketzerei beschuldigt worden war, weil er behauptete das dies belegte das die Bibel falsch läge. Zwei Historiker veröffentlichten ein Buch in dem steht: Es gab kaum eine Christliche Schule im Mittelalter, die nicht die Kugelgestalt der Erde akzeptierte und nicht ihren ungefähren Umfang kannte.

1. Geschmacklos und Ignorant

Schule im Mittelalter

Schule, Kunst und Philosophie erlebten im Mittelalter ein Hoch wie nie zuvor

Mythos: Die Menschen des Mittelalters waren Geschmacklos und Ignorant

Hauptsächlich den Hollywood Filmen ist es zu verdanken, dass viele Menschen glauben dass das Mittelalter voller religiösem Aberglauben und Ignoranz war. Tatsache aber ist, dass führende Historiker jegliche Existenz davon ablehnen. Wissenschaft und Philosophie gedeihen zu der Zeit – teilweise wegen der Einführung von Universitäten überall in Europa. Das Mittelalter produzierte einige der größten Gemälde, Musik und Literatur in der Geschichte der Menschheit. Boethius, Boccaccio, Dante, Petrarch, und Machiavelli werden immer noch wegen ihrer großartigen Gedanken verehrt. Die Kathedralen und Schlösser Europas stehen immer noch und beinhalten einige der schönsten Gemälde und Mauerwerke die ein Mensch mit bloßen Händen erschaffen konnte. Medizin zu der Zeit war primitiv, ja, aber sie war strukturiert und willig neue Ideen aufzunehmen und weiterzuverarbeiten (Genauso wie es in der heutigen Medizin funktioniert).

Ich hoffe ich konnte damit einige der Mythen um das Mittelalter aufklären.

banner